Marie Ruppel-Weiland

120 Grad

Lochkamera-Photographien

Ausstellungseröffnung: Matinee Sonntag, 5. Mai 2002 um 11.00 Uhr
Dauer bis Sonntag, 9. Juni Öffnungszeiten: nach Vereinbarung

"120 Grad" ist der Titel der Photoaustellung, die in der Galerie Röver in Nürnberg zu sehen ist. Marie Ruppel-Weiland, Meisterschülerin der Kunstakademie Karlsruhe, zeigt großformatige Schwarzweißabzüge von Lochkamera-Aufnahmen, die während eines Reisestipendiums des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) entstanden sind. Sie verbrachte 3 Monate an der französischen Nordküste, mit dem Ziel mit fotografischen Mitteln ein Gezeitenbuch zu gestalten. Technische Ausrüstung waren Mittelformatkamera und Lochkamera von Olpe und Bussiek, ein Fotolabor, sowie der regional gültige Gezeitenkalender. Ursprüngliches Ziel war es, den zeitlichen Aspekt von Ebbe und Flut zu visualisieren, sei es in Gegenüberstellung oder mit Hilfe von Mehrfachbelichtungen. Zeit zu visualisieren schien beispielsweise durch die Darstellung der ihr immanenten Veränderungen möglich. Ein Versuch war, Mittelformat-Negative in Sequenzen zu belichten um die stetige Wasserbewegung, das Sichtbarwerden des Meeresgrundes oder das Abkippen der Schiffe im Hafen zu dokumentieren. Diese äußerst aufwendigen Aufnahmen (6-8 Stunden vor Ort) waren im Ergebnis unbefriedigend, was zu einem technischen und inhaltlichen Kurswechsel führte, nämlich zum Experimentieren mit der Lochkamera. Mindestens 25 -30 Rollfilme, eine gewisse Unbefangenheit und auch der Zufall brachten eine ganze Menge an spannendem 6 x 11 cm Rohmaterial. Die Lochkamera-Bilder weisen eine merkwürdige spezifische Räumlichkeit auf, welche ihnen einen sonderbaren Ausdruck verleiht und die Gegebenheiten umerzählt. Oft entsteht bei den Arbeiten der Eindruck von scheinbarer Bewegung und damit eines zeitlichen Ablaufes. So wölbt sich beispielsweise die kommende Flut konvex dem Betrachter entgegen. Die Bilder haben eine "filmische" Anmutung, noch unterstützt durch die mitbelichtete Perforation des Negativmaterials. Manche der Arbeiten entziehen sich einem spontanen Zuordnen und Benennen, sie stellen Fragen über Wahrnehmung und Authentizität.

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