Michael  Bry

Fotografien aus 5 Jahrzehnten
9. September bis 9. Oktober 2005

Spiegelung

Der Fotograf Michael Bry (*1924 in Breslau) zählt in den USA, in Spanien und Portugal zu den bekanntesten zeitgenössischen Fo­tografen im Spannungsfeld von Kunst und Dokument. In Deutschland hingegen ist Bry weitgehend unbekannt. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie (KOG) widmete ihm die erste Retrospektive seines Werkes im deutsch­sprachigen Raum und feierte damit eine großzügige Schenkung des Künstlers an das Regensburger Museum.

1938 flüchtete Michael Bry als Vierzehn­jähriger mit seiner Familie aus dem natio­nalsozialistischen Deutschland nach Chile. In Santiago de Chile studierte er Malerei bevor er 1954 nach Kalifornien übersiedelte. Dreißig Jahre lebte Bry in Sausolito, dem Künstler-Vorort von San Francisco, nahm Unterricht bei der berühmten amerikanischen Fotografin Dorothea Lange und arbeitete für mehrere amerikanische Maga­zine und Verlage. In dieser Zeit entstanden die Bilderbücher "To Be Somebody" (1967) über die kalifornische Jugend und "The Na­tural World of San Francisco" (1969), das die faszinierende Natur Kaliforniens zeigt. 1984 verließ Bry San Francisco, um für zwei Jahre nach Mexiko umzusiedeln. Hier fotografier­te er Märkte, Straßenszenen und Menschen beim Feiern. Nach einem siebenjährigen Aufenthalt in Bayern (1986-1993) zog es Bry wieder in den Süden - er fuhr nach Sevilla (1994-1998), um hier für die Stadt zu fotografieren und blieb dort vier Jahre. Seit 1998 lebt und arbeitet er im portugiesi­schen Murtosa, in der Nähe von Porto. Dort entdeckte er eine im Absterben begriffene Form des traditionellen Fischerbootsbaus. In einem umfangreichen Zyklus dokumen­tierte er den Arbeitsprozess vom Anfang bis zum fertigen Boot.

Michael Brys fotografisches Oeuvre deckt ein breites Spektrum ab: Er fotografiert arbei­tende und sich erholende Menschen, do­kumentiert aussterbende Arbeitsprozesse, sucht nach interessanten Natur- und Archi­tekturbildern. Seine Aufnahmen folgen mit ihrer harmonischen Komposition und dem ruhigen Bildaufbau der klassischen Ästhetik und liegen damit an der Grenze zwischen dokumentarischer und künstlerischer Fo­tografie. Bry beschränkt sich ausschließlich auf Schwarz-Weiß-Fotografie, womit er sein Interesse an der Komposition, der Linie und den Hell-Dunkel-Werten unterstreicht. Seine Vorbilder sieht Bry in Werken von Henri Cartier-Bresson und Gary Winnograd - Fotografen, die den dokumentarischen Blick mit einer hoch kultivierten Ästhetik verbinden.

Der mitlterweile einundachtzigjährige Fotograf wechselt seinen Wohnsitz je nach den fo­tografischen Aufgaben, die er vorfindet: In Kalifornien hält er charakteristische Bilder der aufregenden Natur fest, in Spanien dokumentiert er ein Sanierungsprojekt, in Portugal einen bald vergessenen Bootsbau. Er folgt einer norwegischen Theatergruppe und fotografiert die Akteure, reist durch Ita­lien, Deutschland und Tschechien, um poe­tische Landschaftsbilder zu erhaschen, be­gleitet den Entstehungsprozess einer Geige bei einem deutschen Geigenbauer. Michael Bry ist ein Nomade, der seiner Mission, die er sich gegeben hat, sein ganzes Leben lang folgt. In seinem kleinen Transporter hat er jederzeit Schlafsack und Gaslampe bereit, um bei seinen Objekten und Ereignissen so lange bleiben zu können, bis er sie mit der Kamera festgehalten hat.

Anlässlich der Schenkung seines Lebens­werkes an das KOG fand vom 6. März bis zum 15. Mai 2005 eine Ausstellung statt, die einen fundierten Überblick über das Gesamtwerk von Michael Bry eröffnete. Ne­ben Fotografien, die interessante Lebens­abschnitte Brys chronologisch belegen, wurden Bilder-Zyklen vorgestellt, in denen er sich mit bestimmten Themen - Theater, Bäume, Frauen - ausführlich beschäftigt.

Die Galerie Röver hat einen Ausschnitt aus der Ausstellung des KOG übernommen und präsentiert die großformatigen Fotografien mit einer Auflage von maximal 10 Exemplaren als Verkaufsausstellung in Nürnberg.

Michael Bry

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